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Prozessdampf mit preisgekrönter Hochtemperatur-Solaranlage

19.10.2012

lesa_kollektoren.jpgDie Lataria Engiadinaisa SA (LESA) verarbeitet jährlich um die 6.5 Mio. kg Milch aus dem Engadin zu Pastmilch, Rahm, Joghurt und Käse.

Die Produktion Prozessdampf erfolgte bisher ausschliesslich mittels Heizöl. Neu wird ein Teil des Dampfes über eine Hochtemperatur-Solaranlage erzeugt. So werden pro Jahr 70 MWh Heizöl bzw. 18 t CO2 eingespart. Die Rinnenkollektoren der Firma NEP Solar fokussieren die direkte Einstrahlung auf das Kollektorrohr, durch welches ein Wärmeträgermedium fliesst. Die Anlage speist in das bestehende Dampfnetz der LESA ein. Bauherrin ist die ewz, die die Wärme im Contracting an die LESA abgibt. Unser Büro war mit der Ausführungsplanung betraut. ewz und LESA erhalten für diese vorbildliche Installation den Solarpreis 2012 in der Kategorie Anlagen.

Das mögliche Anwendungsspektrum von Hochtemperatur-Solarwärme ist auch in der Schweiz breit und vielversprechend. Mit einem Monitoring wird die Pilotanlage auf dem Dach der LESA nun vom ewz systematisch ausgewertet. Es handelt sich um die erste derartige Anlage in der Schweiz.

Im gewerblichen und industriellen Bereich ist eine solare Wärmeerzeugung mit Hochtemperatur-Solaranlagen überall denkbar, wo Dampf, Heisswasser oder Thermoöl bei Temperaturen zwischen 100-200 °C für Prozesswärme benötigt werden - etwa in der Lebensmittelindustrie, in Wäschereien oder Spitälern.

Interessant ist die Nutzung der Hochtemperatursolarwärme auch für die Klimatisierung, da im Sommer Kühlbedarf und Sonneneinstrahlung deckungsgleich sind. Einsatzmöglichkeiten bestehen beispielsweise bei Bürobauten, Hotels, Einkaufszentren oder Sporthallen. Die dominierende Technik zur Kälteerzeugung basiert auf elektrisch betriebenen Kompressions-kältemaschinen. Der immer grösser werdende Bedarf nach Klimatisierung führt daher zunehmend zu extremen Belastungen des Stromnetzes während Hitzetagen. Dank dem hohen Temperaturniveau der Rinnenkollektor-Anlagen können zweistufige Absorptionskältemaschinen eingesetzt werden, die im Vergleich zu einstufigen Maschinen bei gleichem Wärmeeinsatz praktisch den doppelten Kälteertrag erzielen. Im Winter können dieselben Anlagen zur Unterstützung der Heizung genutzt werden.